Studentenleben auf Mexikanisch

¡Hola! ¿Cómo estas?

Mit den Worten "Hallo! Wie geht's?" und einen Bussi auf die rechte Wange wird man hier begrüßt - von jedem, ganz egal ob man die Person kennt oder nicht, ganz egal ob männlich oder weiblich. Die Mexikaner sind ein sehr freundliches, offenes und lebendiges Volk, sie feiern alle für ihr Leben gerne und an morgen denkt hier kaum jemand.

Mittlerweile bin ich mitten im "Studentenleben auf Mexikanisch" angekommen und es gefällt mir nach wie vor alles sehr gut und ich bin glücklich hier sein zu dürfen. Ich habe ja einiges an Erzählungen nachzuholen seit meinem letzten Update - aber alles der Reihe nach und zuerst kurz etwas über den Alltag hier in der Großstadt:


Verkehr
Den kann ich eigentlich nur mit einem Wort beschreiben: VERRÜCKT! Regeln kennt man hier prinzipiell nicht (wie denn auch, denn die Führerschein Prüfung ist hier ein Fremdwort, wer Autofahren will kann das mit 16 machen, einen Führerschein haben sie zwar aber der kostet lediglich ein paar Hundert Pesos und einem Besuch auf dem Amt). Vor allem zu Stoßzeiten wird mit Vorliebe gehupt, geschnitten, an den unmöglichsten Stellen überholt und die Polizei regelt den Verkehr per Hand an vielen Kreuzungen. Bei Rot über die Ampel ist ganz normal, geblinkt wird nicht, die Gurte sind mehr zur Zierde als zur Sicherheit und zu 7 oder 8 im Auto ist auch überhaupt kein Problem (da sitzt man dann Vorne zu 3, hinten aufeinender und im Kofferraum).

Der ganz normale Wahnsinn!
Essen
Dass Mexiko ein Problem mit Übergewicht und Fettleibigkeit hat (prozentuell leben hier die meisten dicken Menschen) wundert mich überhaupt nicht. 24/7 bekommt man hier an jeder Ecke zumindest Tacos (Tortillas mit Fleisch und wer mag mit Käse und allen möglichen Salsas), Tortas (Sandwiches), Refrescos (Limonaden - die Mexikaner trinken pro Kopf am meisten Cola, noch mehr als die Amerikaner) oder Dulces (Süßigkeiten wie sie süßer nicht sein könnten).
Aber kochen können sie, die Mexikaner, und das nicht schlecht. Zumindest für Europäer zu Spottpreisen kann man sich hier den Bauch mit vielen traditionellen Köstlichkeiten vollschlagen. Grundsätzlich basiert alles auf Mais - dabei vorwiegend auf Tortillas (Maisfladen) - ergänzt mit viel Fleisch, Bohnen, Reis, Käse, Chilli und manchmal Gemüse. 
Wer mich kennt weiß, dass ich ohne Obst und Gemüse nicht überleben kann. Von beidem gibt es hier mehr als genug und zum Großteil sehr geschmackvoll - speziell die Avocados, Tomaten, Mangos, Bananen, Melonen und Papayas.
Hier eine erste keine Auswahl an Speisen die ich bisher so gegessen habe (und dabei nicht vergessen habe zu fotografieren ;)):


Eine große Auswahl an scharfen Salsas und Limetten darf nie fehlen.
Tamales - meine Lieblinge: Eine Art Polenta gefüllt mit verschiedenen Sorten Chilli und Fleisch (Huhn oder Schwein), Käse oder Gemüse und, wie könnte es auch anders sein, bekommt man sie auch süß (das hat mich bis jetzt aber noch nicht so angesehen ;)).
Füllung für Tacos (in diesem Fall Gemüse), die man dann selber bei Tisch in die Tortillas füllt und mit Salsas würzt. Traditioneller und viel häufiger werden Tacos mit Fleisch gefüllt.
Mentalität
Wie vorher bereits kurz erwähnt, die Mexikaner leben jeden Tag als wäre es ihr letzter. Das Wort "sparen" ist ein Fremdwort und so wird zu jeder Gelegenheit gefeiert und wer kann fährt auf Urlaub oder zumindest über's Wochenende auf's Land. Löhne und Gehälter werden normalerweise 2-wöchentlich an Freitagen ausbezahlt - an solchen Tagen die Stadt am Nachmittag zu verlassen, ist nicht die beste Idee denn da fahren sie, schlussendlich ist die Geldtasche wieder voll.
Wie in Spanien und anderen Ländern Lateinamerikas auch, sind die Leute hier nicht die pünktlichsten - genauer gesagt, wenn man um 9 Uhr ausgemacht hat sich zu treffen, muss man Glück haben, wenn um Viertel nach 9 mal jemand auftaucht. Erschreckend ist, wie schnell man diese Verhaltensweise annimmt, mittlerweile schaffe ich es kaum mehr irgendwo pünktlich hin. Aber andererseits ist es ja auch völlig egal hier, warum soll ich ständig auf die anderen warten ? ;)

Stecken geblieben bin ich also vor 2 Wochen als ich am Samstag nach dem Laufen mit den ITAM Runners mit meinem Buddy Lorena und ihrer Freundin Miriam aus Wien - die gerade mit dem Rucksack quer durch Mittelamerika unterwegs ist - in die Stadt gefahren bin. Genauer gesagt in 2 Stadtteile: Zum Einen "Polanco", einem schicken Bezirk wo wir in ein Museum gingen, und zum Anderen "Roma Norte", wo wir durchspazierten und danach eine Kleinigkeit in einem der unzähligen netten Bars und Restaurants dort aßen.

Museum in Polanco
Mexico City ist unterteilt in 16 Großbezirke ("Delegaciones") und weiter in über 250 Wohnviertel ("Colonias"). Das Verrückte daran ist, dass die Straßen in jedem Viertel gleich heißen. Das bedeutet, dass es manche Straßennamen über 100 Mal in der ganzen Stadt gibt.

Am Sonntag machte ich mich in der Früh auf den Weg um den Stadtteil in dem ich wohne, "San Ángel", ein wenig kennen zu lernen. Vorbei an Kirchen, Märkten, Malern und wie immer und überall in der Stadt Essensständen, machte ich einen sehr netten und gemütlichen Spaziergang bevor mich (aufgepasst!) der Bruder eines Kollegen von Johannes' Papa mit seiner Familie abholte. Bereits vor meiner Ankunft in Mexcity, hatte ich via Email Kontakt zu Gernot Antretter, der mit seiner mexikanischen Frau Esoto und den Zwillingen Vivian und Vincent (16 Jahre), schon seit Abschluss seines Wirtschaftsstudiums in Mexico City lebt und arbeitet. Spontan hat er mich zu der Geburtstagsfeier eines Freundes der Familie eingeladen. Ein sehr interessantes und lustiges Erlebnis wie die Bilder zeigen.

Sonntags-Spaziergang durch San Ángel
Kirche "Iglesia de San Jacinto"
Maler an einem der unzähligen Plätze.
Mitten drin statt nur dabei ..
.. in einer mexikanischen Geburtstagsfeier.
Die Jugend: Ana, Johanna, Queralt, Vivian, Vincent und Luis :)
In meiner Geburtstagswoche war ich leider nicht ganz vom Glück verfolgt, da ich mir nach einem Durchfall am Dienstag, eine Magenverstimmung am Mittwoch einfing, mit der ich bis Samstag ein wenig zu kämpfen hatte. Nichtsdestotrotz habe ich einen sehr netten Geburtstag verbracht :). Am Tag vor meinem 21. (Mittwoch Abend) war ich von Mama's Kollegen aus Deutschland, die zu der Zeit in Mexcity auf einer Bäckerei-Messe waren, zum Abendessen eingeladen. Obwohl ich außer Tee bei Gott nichts essen oder trinken konnte, war ein sehr netter und vor allem interessanter Abend. Danach überraschten mich meine Mitbewohner Orla aus Irland und Rodrigo und Oscar aus dem Norden Mexikos um Mitternacht mit einem Kuchen mit Wunderkerzen. Meinen Geburtstag verbrachte ich dann zum Großteil (von 7 bis 17:30 Uhr) auf der Uni und am Abend kamen noch ein paar Freunde zu mir und wir quatschten recht nett bei ein paar anti-alkoholischen Getränken ;).

Oscar und Rodrigo 
¡Feliz Cumpleaños Johanna!

¡Muchas gracias Rodrigo, Orla y Oscar! :)
Am Freitag ging es dann für mich auf die Bäckerei-Messe. Die mexikanischen Vertretern und der Gebietsleiter von Wiesheu aus Spanien, Salvador, erklärten mir die Produkte, erzählten über den Markt und Aufbau des Vertriebs in Lateinamerika und gingen eine Runde mit mir durch die Hallen. Am Abend machten wir eine kleine WG-Party auf unserer großen Rooftop-Terrasse um meinen und Oscars Geburtstag (er hatte am Montag) ein wenig bei Beer-Pong (ein mexikanisches Trinkspiel, das scheinbar auf keiner Party fehlen darf) und Musik nachzufeiern :).
Wiesheu - Kleiner Stand aber sehr gut besucht.
Deutsche Qualität in Mexiko!
Männerdominanz ;) 4x Mexiko und 1x Spanien.
Beer-Pong Champions :)
Nach einer kurzen Nacht startete der Samstag früh, weil ich von einer Freundin aus dem "International Business" Kurs auf das Willkommens-Event des Zivildienstes, den hier in Mexiko alle Studenten an der jeweiligen Uni absolvieren müssen, eingeladen war. Ein weiterer interessanter Einblick in das Land, seine Kultur und das Leben. Den Sonntag Vormittag nütze ich für eine Laufrunde - wobei ich am Maratón CD MX (Ciudad de México Marathon ) vorbeikam und ich wieder sehr Lust auf ein Rennen bekommen habe :). Zu Mittag traf ich mich dann mit Anna, einer Deutschen Austauschstudentin, und wir machten uns auf den Weg ein weiteres Stadtviertel zu erkunden - nämlich "Coyacán". Auch sehr lebendig - vor allem am Sonntag - mit vielen kleinen Märkten, netten Plätzen, alten Kirchen und dem Museum der Malerin Frida Kahlo, dem "Casa Azúl" (Blaues Haus) in dem sie und ihr Ehemann Diego Rivera lange Zeit gewohnt haben.


"Servicio Social" (Zivildienst) Willkommens-Event.
Maratón CD MX :)
Casa Azúl
Einer der vielen "Mercados" in Coyacán.
Die Uniwoche verlief recht unspektakulär und am Donnerstag Abend ging ich dann mit einigen Intercambios und Mexikanern in Nachleben von Mexcity, auf die "Fiesta de Bigote" oder auch "International Moustache Party".

Anna, Michelle und ich mit unseren Schnurrbärten ;)
"International Moustache Party" wortwörtlich: Kolumbien, Mexiko, Frankreich, Russland, USA und Österreich :)
Meinen freien Freitag gestern verbrachte ich mit Javier aus meinem Marketing Kurs im Zentrum rund um das "Castillo de Chapultepec", dem einzigen Schloss auf dem Amerikanischen Kontinent wo im 19. Jahrhundert Kaiser Maximilian von Habsburg (ein jüngerer Bruder Kaiser Franz Josephs I) wohnte. Heute Samstag ging ich mit Aline, einer Mexikanerin die ich am 1. Unitag nach dem Weg gefragt habe und seither mit ihr in Kontakt bin, auf den "Mercado de San Jacinto" in San Ángel und danach auf Enchiladas (Tortillas gefüllt mit Käse oder Fleisch, übergossen mit Chilli und bestreut nach Wahl mit Käse, Cilantro, Zwiebel, Sesam, etc.).

Blick vom Schloss über den "Bosque de Chapultepec" (Schlosspark) in Richtung Zentrum - der Smog ist im Hintergrund deutlich erkennbar.
"Paseo de la Reforma" die Hauptstraße im Zentrum im Hintergrund
"Castillo de Chapultepec"


Mercado de San Jacinto
Enchiladas mit Käse und Huhn mit scharfer Salsa, Zwiebel und Cilantro - ¡Que rico! :)
Soweit so gut über meine Erlebnisse der letzten beiden Wochen. Weiter geht es mit ... KUBA! :) Ja, ganz richtig: Anstatt des eigentlich geplanten Kurztrips an die Pazifik-Küste über das verlängerte Wochenende während des "Día de la Independencia" (Unabhängigkeitstag) am 15. und 16. September, haben Anna, Johannes und ich uns entschieden 2 Tage Uni zu spritzen und für 10 Tage nach Kuba zu fliegen. Los geht's am Freitag Vormittag und ihr könnt euch denken, dass ich mich sehr darauf freue :).

Natürlich werde ich wieder genügend Fotos machen und euch über alles informieren. Es freut mich sehr, dass so viele meinen Blog verfolgen und aufmerksam lesen - Danke euch allen!

Hasta luego, Johanna :)

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